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Mittwoch, 12. Mai 2004
Peinlichkeits-Content im Supermarkt
Obwohl ich gestern wieder erst gegen halb acht von der Arbeit nach Hause kam (von wo ich morgens um halb sieben aufgebrochen war), wollte ich noch unbedingt in den Supermarkt. Zugegeben, es fehlten nur ein paar Kleinigkeiten, und so war es letztlich der Ehrgeiz, ein paar Fotos für das Labor für kreative Haushaltsführung (s. Button ) zu schießen, der mich veranlasste, meinen Krempel im Flur in die Ecke zu schmeißen, die Kamera zu greifen und mich aufs Rad zu schwingen. Bis zwanzig Uhr waren es nur noch ein paar Minuten, und die Szenerie, die dann die Supermärkte beherrscht, hat ja immer etwas Großartiges. Freaks der verschiedensten Abarten huschen durch die Gänge zwischen den Kühlregalen, wie auch ich an diesem Abend. Vor ausgesuchten Motiven blieb ich stehen, hielt die Kamera vors Auge und scheute mich auch nicht, den Blitz blitzen zu lassen. Damit dürfte ich dann wohl einer der behämmertsten Vögel an diesem Abend an diesem Ort gewesen sein, was ich eindrucksvoll dadurch untermauerte, dass ich, als ich meine paar Brocken auf das Band gelegt hatte, umständlich ein paar Fotos von den möglichst zufällig drapierten Gegenständen versuchte, während die Kassiererin schon die Augenbrauen hochzog und einen kopfschüttelnden Blick an die Decke warf.



Wenigstens dürfte jeder, der im Laden anwesend war, mittlerweile auf mich aufmerksam geworden sein. Und da kam mein großer Auftritt, der Klassiker: "öööh .... ääääh .... *verzweifelt such* ... Portemonnaie vergessen. Hähä." Den Blick der Kassiererin kann ich gar nicht mehr beschreiben, mitleidig, herablassend, erzieherisch, neugierig ... Die sich wie eine Ewigkeit hinziehenden Sekunden, in denen ich nun alles überhastet wieder in den Korb zurückräumte, habe ich dennoch beinahe genossen. Was für eine Abwechslung von der völlig stupiden, routinierten Arbeit! Welche Eindrücke! Wirklichkeit! Ich glaube nicht, dass das eine total verrückte Einstellung ist .... aber egal.
Unverrichteter Dinge, allerdings ausgestattet mit ein paar schlechtgemachten Produktfotos, zog ich wieder nach Hause. Den ganzen Abend und auch noch heute musste ich immer wieder erstaunt feststellen, dass Prosecco, Saft oder Joghurt nicht im Kühlschrank waren, wo ich sie doch direkt nach dem Einkauf zu deponieren pflege. Es waren Phantombesitzwahrnehmungen.

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Verfall der Sitten
Im Zug, vier gemütliche, gepflegte alte Damen steigen zu. "Möchtest du am Fenster sitzen?" "Danke, sitz du mal." "Wir können ja nachher noch tauschen." Sie wollen nur 3 oder 4 Stationen weiterfahren. Plaudern freundlich, angenehm. "Es ist ja noch nicht gesagt, dass auch jeder so eine Spritze verträgt." "Nein" stimmen alle zu. "Kennen sie die Frau Schneider?" Wohnen vermutlich seit Jahrzehnten gemeinsam in einer Kleinstadt und kennen nicht alle die Frau Schneider. Das soll's geben.
Mehr von diesen lieben alten Tanten, die gemütlich morgens mit der Bahn drei Stationen weiterzuckeln! Wer weiß, vielleicht zur Konditorei Brommelkamp?

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